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31. August 2016

Beipackzettel.


Heute gibt es mal wieder einen Lese-Tipp. Ich habe einen schönen Artikel über Introversion entdeckt. Manchmal würde ich am liebsten für mich einen Beipackzettel erstellen. Den kann ich dann jedem überreichen, den ich neu kennen lerne, ohne mich mühsam erklären zu müssen. Dann steht dem Gegenüber jederzeit frei zu entscheiden "Ach, das ist doch nichts für mich.". Ist mir schon öfter mal passiert, dass ich mit meiner Introversion nicht richtig ernst genommen wurde. So als wäre es nur so eine Laune, und wenn ich mich mal ein bißchen mehr zusammen reißen würde, da ginge das doch wohl. Kann sich offenbar nicht jeder vorstellen, dass es mir tatsächlich körperlich schlecht gehen kann, wenn ich überfordert bin. Und Überforderung fängt bei mir schon an, wenn ich mit mehr als einer Person in Kommunikation bin. Wenn dann noch eine Geräuschkulisse dazu kommt und ich sowieso schon erschöpft bin, dann gute Nacht.

Ich hab schon mit Herzstolpern auf fremden Sofas gesessen, bin innerlich kollabiert und hab versucht, nach Außen die Form zu wahren, weil ich für Unverständnis keine Kraft mehr hatte. Das versteht so schnell keiner.

Es gibt Tage, da reichen schon die fünf Stunden arbeiten. Die vielen Eindrücke, die Kollegen, der Smalltalk, Publikumsverkehr, all das. Da freue ich mich derzeit auf mein tägliches Date mit Dr. House. Und so kurz vor meinem Urlaub häufen sich natürlich auch die Fragen nach meinen Reiseplänen. Ich sag dann ganz ehrlich, dass ich mich zuhause am besten erholen kann. Inzwischen hat sich ein kleiner Running Gag mit einem Kollegen entwickelt, der mir spaßhalber eine 90-Tage-Weltreise-Kreuzfahrt empfohlen hat. Das wäre mein persönlicher Alptraum. Gefangen auf'm Schiff mit hunderten Menschen und fast jeden Tag an einem anderen exotischen Ort mit ungewohntem Klima und totaler Reizüberflutung. Danach wär ich reif für die Klapse ;-).

Am liebsten würde ich im Urlaub in ein idyllisches Feriendorf ans Meer ziehen, wo es eine Introvertierten-Community gibt, jeder ein kleines Blockhaus für sich hat und man sich abends beim Strandspaziergang begegnet, kurz "Hallo" sagt und wieder weitergeht, hihi.

28. August 2016

Anderswelt.


Puuuh. Es ist unfaßbar heiß. Inzwischen ist es mir sogar zu heiß zum Dr.-House-gucken. Atmen und daliegen genügt.

Dennoch schreibe ich mit schwitzigen Fingerchen noch ein kurzes Wort zum Sonntag, das diesmal nicht aus der Feder eines griechischen Philosophen stammt, sondern von einer guten Freundin, die den Nagel auf den Kopf getroffen hat:

"Vielleicht sollten wir uns gar nicht so viele Gedanken machen
und das Leben als Geschenk nehmen,
das bei jedem einfach anders aussieht"

Willkommen in der Anderswelt! Doch der entscheidende Hinweis ist das Geschenk... Und ein Geschenk macht freudig und dankbar - wenn man es schätzt und annimmt!

27. August 2016

Hausbesuche.


Jaja, auch wenn die Buddhisten sagen, dass es im Sommer warm und im Winter kalt ist, so ist es dieses Sommerwochenende einfach doch wieder ZU warm. Das kann ich mir nur schwer schön reden. Aber was flüstert mir der Mini-Anfänger-Schmalspur-Buddhist in mir zu: Mach das Beste draus! Starte den Amazon-Prime-Probemonat und zelebriere in Deiner Dunkelkammer einen astreinen Dr.-House-Marathon! Yeah! HÖR AUF DIE STIMME! HÖR WAS SIE SAGT!

Ich bin ja der totale Dr.-House-Späti, ein hoffnungsloser Nachzügler, aber ich liebe es. Auch wenn der Ablauf fast immer identisch ist. Jemand bricht urplötzlich zusammen und spuckt Blut, diverse falsche Diagnosen werden getroffen, bis Dr. House die finale, lebensrettende Eingebung hat, und in letzter Sekunde die fast schon eingeleitete Amputation/Chemotherapie/Lumbalpunktion verhindern kann. Und meistens wird auch überlebt. Und Dr. House ist gemein, menschenverachtend, genial. - Während mich die Diagnosen nur mäßig interessieren, fasziniert mich umso mehr die Figur Dr. House.

Haha, und während neulich jemand im Amt total erstaunt war, dass ich spontan wußte, was das für eine Diagnose war, die auf dem Kostenantrag stand, konnte ich gleich von meinem zweifelhaften medizinischen Serienhalbwissen profitieren. "Woher weißt Du denn SOWAS?" - "Na, ich guck Dr. House." Der schickt dann noch sein Team in die Wohnung des Patienten, um alles nach Substanzen und Pestiziden zu untersuchen und gibt meist erstmal Steroide. Das fiele hierzulande eher unter Hausfriedensbruch, hihi.

Während also die Welt da draußen am Badesee plantscht, den Sonnenschutz bis an die Belastungsgrenze ausreizt, den Rasenmäher dröhnen und den Grill glühen läßt, bekomme ich also House-Besuche in Überdosis. Das ist okay. Denn das dürfte das letzte Aufbäumen des Hochsommers sein, und dann kommt meine Zeit. Dann kann ich wieder entspannt spazieren gehen.... und die restlichen 28 Tage meines Probe-Abos "Dr. House" bis zum großen Finale gucken!

Und überhaupt noch eine Woche arbeiten - dann hab ich endlich Uuuuuurlaub! Seit meinem Arbeitsbeginn am 1. April hatte ich nicht einen Tag frei. Das wird jetzt auch Zeit. Und wer jetzt fragt, ob ich wegfahre, ist definitiv kein Stammleser hier... :-D.

Schönes Wochenende & eine baldige Abkühlung.
Sei lieb zu Dir!

24. August 2016

Zickig.


"Du bist aber ganz schön zickig." meinte heute - immerhin lachend - meine Kollegin zu mir. Natürlich bin ich auch manchmal zickig. Das will ich auch gar nicht bestreiten. Ich bin auch ziemlich schnell eingeschnappt. Und es gibt auch Tage, da bin ich einfach unleidlich. Ansonsten findet mich die Kollegin ja auch "süß", sagt sie.

Aber häufig bin ich gar nicht zickig, sondern einfach nur ehrlich. Weil ich mich nicht mehr so anstrenge, unbedingt dazu gehören zu müssen. Weil ich meine Grenzen setze und diese auch kund tue. Weil ich möchte, dass es auch mir gut geht und ich nicht mehr aus Höflichkeit in Situationen ausharre, die mich überfordern. Und wenn ich dann nicht DAS gut finde, was alle gut finden, bin ich eben zickig. Und wenn ich nicht mit der Herde mitziehe, bin ich eben zickig.

Apropos Herde: Unser tolles Abteilungs-Sommerfest wurde mangels Interesse abgesagt. Haha, da bin ich wohl nicht die einzige ungesellige Ziege. Das hat mich ehrlich überrascht. Wobei die Gründe natürlich vielschichtig gelagert sein können.

Aber zurück zum Zicklein. Was ist besser? Was ist authentischer? Ehrlichkeit oder geheucheltes Interesse? Mitläufertum oder Selbstfürsorge?

Es gibt doch bereits mehr als genug Situationen (insbesondere im Job), wo ich "die Form wahre" und mir gewisse Dinge anschaue und mir meinen Teil denke, oder Sachen erledigen muß, hinter denen ich nicht stehe *that's life*. Da will ich doch zumindest im privateren Bereich einfach So-Sein können. (Was nicht bedeuten soll, jemandem vor den Kopf zu stoßen - der Ton macht die Musik.)

Mit längjährigen Freunden ist das auch kein Ding. Wir kennen uns ja. Aber mit neuen Leuten verfalle ich dann oft - ungewollt - in den Rechtfertigungsmodus, weil ich mich bemüßigt fühle zu erklären, warum ich ungesellig bin / Mittagsschlaf mache / nicht gerne in Urlaub fahre / es genieße alleine zu sein (nein, ich brauche wirklich kein Mitgefühl) / am liebsten zuhause bin. Das ist manchmal aaaaaanstrengend.

Und dabei sind Ziegen doch Herdentiere. Ich kann also gar keine Ziege sein.

*määäääääääh*

22. August 2016

Im Sommer warm, im Winter kalt.



"Im Sommer ist es warm
und im Winter ist es kalt."

- Buddhistische Weisheit


Was will uns das sagen? Es ist wie es ist. Denn da schleicht sich doch in den letzten Zügen des Sommers tatsächlich noch mal eine kleine Hitzewelle an. Da könnte ich mich fragen: "Ist das nötig?". Aber im Sinne meines (lebenslangen) Gelassenheitstrainings lasse ich es diesmal einfach geschehen. Zumal es im Büro immer so kühl ist, dass ich auch bei hochsommerlichen Temperaturen mit Strümpfen und Strickjäckchen vom Wetter gar nichts mitkriege. (Ich hab ja schon ein bißchen Angst, wie es im Winter sein wird. Jaja, ich weiß, kalt eben. Aber ich habe das Gefühl, dass es dort nie richtig warm wird *zitter*. Ich hab schon zur Kollegin gesagt: "Das wird der härteste Winter meines Berufslebens!". Sie lacht dann immer...).

Jedenfalls hat es sich bewährt, einfach mal hinzunehmen, dass es im August heiß werden kann, dass Nachbarshunde kläffen, dass Busse langsam fahren und sich das Universum nicht um mich dreht, und es auch keine Wunschbestellungen ausliefert.

Ich hab gerade ein geniales Buch ausgelesen, von dem ich denke, dass es der einzige Ratgeber ist, den die Welt wirklich braucht. Ach nein, die Bezeichnung "braucht" widerspricht bereits völlig dem Inhalt und der Botschaft des Buches.

Was BRAUCHE ich denn? Ein Dach überm Kopf, was zu Essen und zu Trinken. Schon mal gar nicht so schwer. Läuft! Das sind dann echte Bedürfnisse, die lebensnotwendig sind. Was darüber hinaus geht, sind Wünsche. Ein Wunsch bedeutet "Ach, schön wär das - aber wenn nicht, werde ich das auch überleben." Zu den Wünschen zählen einerseits Konsumgüter und Oberflächlichkeiten *sag ich mal so* wie schlank-schön-erfolgreich und romantische Verklärungen wie die große Liebe. Schön wenn man's hat, aber nicht schlimm, wenn's halt nicht so geklappt hat.

Im Buch gab es das "Obdachlosenexperiment". Wie kann ich trotzdem glücklich sein, auch wenn ich sonst nichts habe? Kann ich mich in die Gesellschaft einbringen? Kann ich trotzdem gut für mich sorgen? Und wenn ich mich auf diese Vorstellung einlassen kann, und erkenne, dass es nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Was kann dann noch passieren? - Klingt natürlich erstmal krass, und der Autor geht auch davon aus, dass der Obdachlose in einer entsprechenden Unterkunft leben kann. Für mich klang es ein bißchen wie Minimalismus auf die Spitze getrieben. Ich denke dabei an Anne Donath, die ähnlich genügsam lebt (und glücklich und in sich ruhend wirkt). So weit muß es ja nicht gehen. Aber sich von dem Gedanken zu verabschieden, alles haben zu MÜSSEN (erfüllte Partnerschaft, wohlerzogene Kinder, Doppelhaushälfte, SUV, Anerkennung etc.) ist eine ganz große Erleichterung. Wenn sich Lebensträume nicht erfüllt haben, dann ist das halt so. Kein Grund, das Köpfchen hängen zu lassen und das Lebensglück von diesen äußeren Faktoren abhängig zu machen. Ich kann trotzdem glücklich sein und schauen, womit ich mich beschäftigen kann, was mich erfüllt. In der mir gegebenen Realität.

Wir sind nicht alle mega-durchtrainierte Instagram-Models, die sich wie Transvestiten schminken, in stylishen Altbauten mit Stuck und Parkett wohnen, zwei zuckersüße Kinder mit einem Traummann haben und täglich die leckersten veganen Speisen und köstlichsten Desserts verzehren, ohne dabei auch nur ein Gramm zuzunehmen. Der Lebensunterhalt wird mit dem So-Sein (Lifestyle) verdient - also irgendwas Chicem. Und natürlich sind alle (auch die Kinder) immer gut drauf und ständig auf Reisen. Heute Ibiza, morgen Mykonos, übermorgen New York.

DAS IST NICHT DAS ECHTE LEBEN.

In meiner Ikea-Wohnung mit Laminatboden schleppe ich morgens um 5.20 Uhr die müden Glieder aus dem Bett, restauriere mich im Bad (in der Hoffnung NICHT wie ein Transvestit auszusehen), fahre in meinem Auto (das übelst quietscht) ins Amt zu meinem mies bezahlten Teilzeitjob, langweile mich dort ein paar Stunden, esse in der Kantine Schnitzel mit Pommes, fahre heim, falle in komatösen Mittagsschlaf, drehe anschließend die übliche Spaziergehrunde fürs gute Gewissen und surfe dann im Internet und sehe fern. - Kann ich glücklich sein? Aber ja! Ich fühle mich inzwischen sauwohl in meiner Wohnung, liebe es, keinen Streß mehr im Job zu haben, komme dank Minimalismus völlig mit dem Gehalt klar, genieße es, dass ich so viel Zeit und Freiheit habe. Und ja, ich bin mit wenig glücklich. Und natürlich hadere ich immer mal mit Widrigkeiten. Das ist das Leben. Nicht immer angenehm, aber durchaus lebenswert.

21. August 2016

Kurzes Wort zum Sonntag.

                                                                                                                        Photo: Pixabay


"Der Schlüssel zu guten Beziehungen liegt darin,
jeden um das zu bitten, was er geben kann,
nicht um das, was er nicht leisten kann."

- Rafael Santandreu


Ich hab's ja inzwischen so gar nicht mehr mit diesen schwülstigen Kalendersprüchen à là "Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum" *mir-wird-schlecht* *uuuuäääärgh* *widerlich*. Aber wenn ich ein richtig gutes, knackiges, realitsnah-pragmatisches Zitat sehe, dann will ich es teilen. Ohne Schmusi-Schmusi, Geigenmusik und Pferd ritt in den Sonnenuntergang. Okay, nur ein bißchen Blumenkitsch als Intro *g*.

Dieses Zitat macht die Welt doch gleich so viel einfacher. Es bewahrt vor überfrachteten Erwartungen, befreit vom Perfektionismus, erlaubt das So-Sein und weckt Akzeptanz. Du darfst Du sein und ich darf ich sein.


20. August 2016

Inspirierendes zum Wochenende.


Da es heute wieder muckelig-schwül ist, und ich meinen Spaziergang bereits absolviert habe, bietet sich an diesem Samstag die optimale Gelegenheit für ein wenig Inspiration:

Die wundervolle Byron Katie hat in der Huffington Post einen schönen Artikel übers Gedankenschwurbeln geschrieben. Meine Lieblingspassage daraus:

"When your heart is cheerful and at peace, it doesn’t matter what you do or don’t do, whether you live or die. You can talk or stay silent, and it’s all the same. Some people think that silence is more spiritual than speech, that meditation or prayer brings you closer to God than watching television or taking out the garbage. That’s the story of separation. Silence is a beautiful thing, but it’s no more beautiful than the sound of people talking. I love it when thoughts pass through my mind, and I love it when there are no thoughts. Thoughts can’t ever be a problem for me, because I have questioned them and seen that no thought is true."

Momentan beschäftigt mich gelegentlich das Älter werden. Weil ich immer noch so müde und antriebslos bin, die Gelenke tun weh und manchmal fühle ich mich viel älter als ich bin. Dabei werde ich in zweieinhalb Jahren FÜNFZIG. Das ist die erste runde Zahl, die mich nicht gänzlich kalt läßt. Die Schwelle zur 30 und auch die zur 40 fand ich ziemlich belanglos. Aber wenn sich die Befindlichkeit so langsam der Zahl annähert, ist das schon komisch. Umso schöner, dass der folgende Artikel behauptet: "Alter ist eine Illusion". Puh, gut, alles nur eingebildet... *freu* *hüpf*.

Und noch was zum Gucken: Ich hab mich total gefreut, dass es wieder einen neuen Beitrag über Anne Donath gibt. Die Frau, die seit vielen Jahren ganz schlicht in ihrem Blockhäuschen lebt, ohne Strom und Pipapo. Das ist gleichermaßen extrem wie beeindruckend (ich könnte das nicht). Ich mag es, wie sie sich zum Faulsein bekennt:


So, ich mache es mir jetzt mal in meinem Blockhäuschen, äh, ich meine natürlich in meiner IKEA-Bude bequem und lasse mal schön die Seele baumeln, juhuuu, es ist Wochenende!

16. August 2016

Selbstverständlich!


Während ich an diesem Sommertag am Mittag auf dem Heimweg war, ist mir plötzlich aufgefallen, wie selbstverständlich der frühe Feierabend geworden ist. Und dann hab ich mir vorgestellt, wie ich früher teilweise bis 17 Uhr im Büro sitzen mußte (der verhasste "Spätdienst"). Igitt. Als ich vor einigen Jahren zunächst auf 30 Wochenstunden reduziert hatte, hat sich das anfangs wie Urlaub angefühlt. Nein, noch besser: Mir schien die Sonne aus dem Arsch. Echt jetzt.

Mittlerweile sind es nur noch 25 Wochenstunden mit einer Arbeitszeit, die mir mehr als gelegen kommt. So viel Tag liegt immer noch vor mir. Genau was ich immer wollte. Zeitluxus. Kein Streß mehr. Mir Ruhe gönnen. Herrlich.

Aber es ist Normalität geworden. Und das finde ich schade. Ich möchte mich immer wieder über dieses Privileg freuen. Dankbar dafür sein. Mich daran erinnern, wie wertvoll und wichtig das für mich ist.

Ist es nicht mit vielen Dingen so? Diese Selbstverständlichkeit, wie gut es uns eigentlich geht. Wie privilegiert wir leben. Und wie unzufrieden wir gleichzeitig sind, weil wir meinen, dass irgendwas fehlt. Aber was fehlt denn? Vielleicht sind es gar zu viele Möglichkeiten, die uns locken? Die uns verwirren, wo die Reise hingehen soll. Dass wir was erreichen MÜSSEN. Dass wir Leere unbedingt füllen müssen, weil wir Angst haben, die Leere nicht aushalten zu können?

13. August 2016

Ohne diesen Gedanken...


Ich mag ja total gerne die Frage in "The Work" von Byron Katie: "Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?". Geniales Konzept zum Hinterfragen der eigenen Denkmaschine. Denken an sich ist ja nicht verkehrt, klar, aber die Denkmaschine ist ein arrogantes Luder und hält sich ja für allwissend. Ist sie aber nicht. Manchmal liegt sie ziemlich daneben und richtet nicht unerheblichen Schaden im Seelenleben an.

Wenn ich frühmorgens über die Landstraße ins Amt fahre, bin ich normalerweise "Queen of the Road". Die Straße gehört MIR! (meint jedenfalls mein Ego). Erlaubt sind auf dieser Strecke 80 kmh, ich bin meist ... öhöm... ein wenig flotter unterwegs. Zumindest um viertel nach sechs, wenn die Straße mir gehört. Und da hat sich doch neulich ZWEIMAL ein Rentnergefährt vor mir eingefunden und ist mit gemütlichen 70 kmh rumgetuckert. GNAAAAA!!! Und ich reg mich drüber auf. Wie unnötig. Davon wird's ja nicht schneller (allenfalls mein Puls). Also? Wer wäre ich ohne diesen Gedanken, dass der Rentner mal ordentlich auf die Tube drücken sollte? Ich wäre deutlich streßfreier, entspannter und gelassener. Gelassen kommt ja von "Lassen" - also, lass mal den Rentner in seinem Tempo fahren. Die zwei Minuten, die Du später auf die Arbeit kommst, sind den künstlichen Ärger absolut nicht wert.

So weit so gut.

Und dann kam prompt die Gelassenheitsübung für Fortgeschrittene: Renterauto wurde am nächsten Morgen durch Linienbus ersetzt, der die Höchstgeschwindigkeit noch mal unterbot auf 60 kmh. Uuuuuh. OOOMM.

Also wieder: Wer wäre ich ohne diesen Gedanken "Du verdammter Sch***bus"? - Nun ja, ein netterer Mensch schon mal. Ich übe also weiter mit diesen völlig irrelevanten Kleinigkeiten.

Bei einem Gedankengang funktioniert "The Work" leider gar nicht: "Ich brauche diese Schokolade." - Wer wäre ich ohne diesen Gedanken? - Ein schlankes Reh. Seufz.

Aber ich mag dieses Gedankenspiel. Dass ich nicht alles glauben muß, was mein Kopf produziert. Dass ich den Gedanken auch einfach mal zugucken kann, ohne voll einzusteigen. Übungssache. Läßt sich ja ganz spielerisch angehen....

5. August 2016

Mein fantastisches Leben mit Smartphone.


Nein. Die Überschrift ist gelogen. Mein Smartphone hat mein Leben nicht nennenswert fantastischer gemacht. Nach einem dreiviertel Jahr möchte ich nun ein Fazit ziehen:

Ich könnte auch ohne.

Klar, mein Smartphone sieht chicer aus als mein altes Nokia-Handy. Und SMS schreiben sich natürlich auch viel leichter. Meine neue Handy-Nummer kann ich - im Gegensatz zur alten - auswendig. Whatsapp ist super und komfortabel. Auch nett, unterwegs mal eben was im Internet nachschauen zu können (aber ich bin nicht viel unterwegs *g*). Aber sonst??? Ich telefoniere kein bißchen mehr damit als vorher (also quasi gar nicht). Und letztendlich kostet mich der selbst außerordentlich günstige Tarif monatlich deutlich mehr als vorher. Und ich ärgere mich fast ein bißchen, meinen alten Prepaid-Vertrag aufgekündigt zu haben, denn solche Verträge (ohne Aufladepflicht) gibt es meines Wissens gar nicht mehr.

Tja, das Handy hab ich jetzt nun mal, und es wird auch mit Sicherheit erst dann ausgetauscht, wenn es kaputt geht. Wenn mein Zweijahresvertrag ausläuft, werde ich mir wohl einen günstigen Prepaidtarif aussuchen.

Mehr brauche ich nicht. Oh Du schöne moderne Welt! Und was bin ich froh, dass ich nicht zur begierigen Meute gehöre, die für das neueste Smartphone vorm Laden campieren geht...