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14. Juni 2015

Happy Balcony.


Paßt thematisch heute ganz super, da ich die meiste Zeit an diesem Sonntag auch hier verbringen werde. Außerdem hätte ich sonst auch nichts zu bloggen gehabt (kreative Flaute) - von daher bin ich überaus dankbar für den mehrfachen Leserwunsch, mal die andere Ecke meines Balkons sehen zu wollen. (Habt ihr sonst noch Wünsche? - Nur her damit!).


Den Balkon hab ich erstmal blog- und sonntagstauglich aufdekoriert. Die Allwetterversion sieht nämlich deutlich nackischer aus... Alleine sitze ich hier eh nie (lieber ums Eck aufs bequeme Bänkchen *g*) - immer nur mit Besuch, und dann finde ich das ganz toll und nehme mir vor, auch mal draußen zu frühstücken, passiert dann aber doch nie.

Happy Sunday!
Ich bete heute die Sonne an und frische meine Bräune auf...

9. Juni 2015

How to be a Stubenhocker.


"Der Weg ist nicht das Ziel, sondern das Problem."

Da ist mir doch schon wieder ein Buch in die Hände geraten, das sich als kleine Mogelpackung entpuppt hat. Aber zum Positiven! Deklariert als Urlaubshasser-Buch ist es nämlich insgeheim das ultimative Stubenhocker-Buch. Ich hab mich schier kaputt gelacht bei einigen Passagen, so sehr hab ich mich darin wieder erkannt. Alles herrlich ironisch geschrieben, manche Auflistungen geradezu korinthenkackerisch - aber wir Stubenhocker und Intros sind nun mal auch sehr komplexe und hoch empfindsame Wesen.

"Ihr ganzes Leben besteht nur aus hektischem Gedrängel, Coffee to go und Economy Class? Sie müssen sich mit anderen Pendlern um den besten Platz streiten und steuern in Ihrer knappen Freizeit möglichst exotische Urlaubsziele an, um jeden einzelnen ihrer 358 Facebookfreunde damit zu beeindrucken? Fühlen Sie sich genervt von den Versprechungen der Erlebnisindustrie, erschöpft von der ewigen Mobilität und wollen einfach mal Ihre Ruhe haben? Dann ist dieses Buch goldrichtig für Sie: Es erklärt Ihnen, wie gut es tut, nicht zu verreisen, und gibt Tipps, wie Sie nicht durchdrehen, wenn Sie doch einmal unterwegs sein müssen. Der Weg ist nicht das Ziel, sondern das Problem! Gehen Sie gut gelaunt damit um und zeigen Sie dem Urlaubsstress die rote Karte. Denn Daheim ist eindeutig das bessere Draußen!"

Hier wird geächzt und gejammert und lamentiert wie beschwerlich doch das Reisen ist (*jaaaaa*), und was man alles tun kann, um diesem elendigen Schicksal zu entgehen, weil es doch Zuhause sowieso am allerallerallerschönsten ist. Ist es ja auch, ich kann dem nur zustimmen. Das Buch ist eine Ode an das Stubenhocken und eine Anleitung für alle, dies es (endlich) werden wollen. Mit vielen Tipps, wie man sich vom Reisefieber kurieren kann.


"Daheim ist eindeutig das bessere Draußen und Verreisen ist Krieg."

Er nimmt die verschiedenen Arten des Reisens auseinander, und stellt z. B. fest, dass Pilgerreisen sowieso nix für Stubenhocker sind. Die haben sich in der Stille ihres Zuhauses nämlich längst schon selber gefunden, während sich die Reieslustigen erst auf kilometerlangen, zähen Trampelpfaden der Erleuchtung stellen müssen. Gnadenlos zeigt er die brutale Diskrepanz zwischen Reiseprospekt und Realität auf - zum Kringeln! Und für all die Angeber, die im Stundentakt auf Facebook ihre tollen Urlaubsfotos posten, die wohlwissend Montezumas Rache und quengelnde Kleinkinder unterschlagen - sei gesagt: Stubenhocker sind die neuen Trendsetter!

Besonders amüsant fand ich, dass der Autor sogar das Einkaufen im Supermarkt schon als Reisen deklariert (muhahaha) und hilfreiche Maßnahmen erörtert, wie man sich diese Aktion so unkompliziert wie möglich gestalten kann, herrlich!

Manchmal gibt es zwar ein paar Längen im Buch, weil für meinen Geschmack dann doch ein paar Details zu viel ausgeschlachtet wurden (z. B. eine Charakterisierung der einzelnen Bundesländer als Reiseziel), aber insgesamt hab ich mich einfach nur beömmelt. Der Humor war ganz mein Geschmack und das Thema ja sowieso.

Endlich mal einer, der hemmungslos ausspricht, wie ich schon lange über das Reisen denke! Die ultimative Pflichtlektüre für alle Sofahelden und solche, die es werden wollen. Volle Leseempfehlung von mir!

2. Juni 2015

Ein Minimalismusbuch?


Okay, endlich mal ein Roman über den Minimalismus - ist ja zur Abwechslung was Neues.
Doch auch wenn der Klappentext sehr dieses Thema hervorhebt, kam es doch ganz anders:

"Nach ein paar schwierigen Jahren, die sie am liebsten vergessen würde, fängt die dreiunddreißigjährige Gina Bellamy noch einmal ganz von vorne an. Dabei stellt sie fest, dass all die Habseligkeiten, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, gar nicht mehr so recht zu ihr passen. Gina fasst einen Entschluss: Sie behält nur die 100 Dinge, die ihr am wichtigsten sind. Der Rest wird verschenkt oder verkauft. Doch während sie ihr Leben aufräumt, muss sich Gina nicht nur ihrer Vergangenheit stellen – sie erlebt auch eine Zeit voller Überraschungen, Freundschaft und Liebe und erkennt, was wirklich wichtig ist."


Huiii, dachte ich. Coole Idee. Eine Frau, die einen Neustart wagt und sich dabei von allem unnützen Ballast befreit. Gelebter Minimalismus in Romanform, spannend. Oder? - Tja, ich bin zwiegespalten. Viel zu wenig geht es um das Thema Reduzieren, es verkommt eher zur Randerscheinung. Im Vordergrund steht die Lebensgeschichte der Protagonistin, immer wieder mit Zeitsprüngen in die Vergangenheit. "Baaaah, ist das öde" dachte ich anfangs. Doch dann zog mich die Geschichte doch noch voll in ihren Bann. All die Dramen und Verstrickungen... dann willste einfach doch wissen, wie es wozu kam und warum und überhaupt. Und die Idee, einfach von Null anzufangen, übt eine gewisse Faszination aus.

Wenn man sich an die anfangs irritierenden Rückblenden gewöhnt hat, fängt man unweigerlich an mitzufiebern. Die Geschichte berührt, regt an zu reflektieren: "Was will ich mit meinem Leben anfangen? Was ist mir wirklich wichtig?". Dann ist es nicht mehr so wichtig, sich auf diese Idee mit den 100 Gegenständen zu fixieren. Der rote Faden ist eher die Erkenntnis, dass das Leben nun mal nicht immer so läuft, wie man sich das vorgestellt hat.

Also leider KEIN Minimalismus-Roman (der muß wohl erst noch geschrieben werden - vielleicht mach ich das ja *g*), sondern ein Roman mit viel Drama und nachdenklichen Impulsen und der unvermeidlichen Romanze. So geht es vordergründig (und eher nebenbei) um das Entrümpeln von Kram aus der Vergangenheit und tiefgründig um ein grundsätzliches Aufräumen des eigenen Lebens. Liest sich gut, auch wenn die ursprünglichen Erwartungen nicht erfüllt wurden.