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28. Dezember 2014

Minimalismus-Überdruß


Ich werde erstmal nix mehr zum Minimalismus lesen, denn es nervt grad arg. Warum? Weil es irgendwie in die Richtung geht "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht" nur eben umgekehrt. Beim Austausch in Gruppen und Foren kommt es mir fast schon so vor, als wolle man sich übertrumpfen, wer am wenigsten hat.

Statt Deo nur noch Natron benutzen. Jede Socke, die ausgemistet wird, kommt stolz zur Aufzählung. Kosmetik zu benutzen erscheint einem fast wie Nestbeschmutzung. Wohnungsdeko ist fürchterlich. Wie zählt man seine Sachen? Zählt bei Klopapier jedes Blatt? Wer hat weniger als 100?

Es fängt immer mehr an, mich zu nerven. Weil's nicht meine Vorstellung von Minimalismus ist. Wem's darum geht, weniger als 100 zu haben - bittesehr. Mir geht's darum, weniger von dem zu haben, was nix für mich tut und damit überflüssig ist und gerne mehr von dem, was mir gut tut. NO RULES! - Es gibt kein Manifest, dass ein Minimalist kein Deo oder keinen Lippenstift mehr benutzen darf. Ich muß nicht damit prahlen, was ich im Keller alles rausgeschmissen hab oder die Augenbrauen hochziehen, weil die Eltern soviel Nippes auf der Anbauwand stehen haben. Wer großräumig entrümpelt hat: Herzlichen Glückwunsch. Mir kommt es nur immer mehr wie ein Wettstreit vor. Und genau DAS will ich nicht.

Mir ist schon klar, dass es bei so einem Austausch in Foren oder Gruppen auch um gegenseitige Motivation geht - hätte mir zu einer bestimmten Zeit sicher auch Auftrieb gegeben. Nur grad isses nicht meins. Da geh ich mal paar Schritte zurück.

Ein tolles Beispiel - gepostet von "Minimalismus21" auf Facebook - ist dieser Artikel aus der "ZEIT". Und dann klickt euch mal weiter zum ausführlichen Bericht auf "Freunde von Freunden" und schaut euch die Wohnung mal an. Sie ist voll. Aber voller Persönlichkeit. Und ich verwette meinen Hintern, dass das Designerpärchen all diese Dinge auch schätzt und benutzt. Das hat Seele. Und Stil. Ich find's beeindruckend. Weil mir diese Bilder sagen: Da lebt jemand sein Ding. Und da ist es scheißegal, ob das 100 Dinge oder 5000 Dinge sind. Hauptsache, die Dinge haben Relevanz.

Ich muß keinem Minimalistenklischee entsprechen. Dann bin ich lieber ein schlechter Minimalist oder gar keiner. Mir doch wurscht.