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23. März 2017

Blick zurück.


Früher.... Früher war alles besser. Als ich noch jung und meine Beine dünn waren. Als ich noch Träume hatte, wie mein Leben zu sein hätte. Bevor mir dies und das passierte - da war doch alles besser. Oder?

Mal ganz davon abgesehen, dass man "früher" niemals wiederholen kann (NIEMALS!) ist die Retrospektive meist trügerisch. Der Blick zurück verklärt sich. Und das Hier und Jetzt mit all seinen Realitäten ist wie es ist. Jünger werden ist nicht. Dünnere Beine - wenn überhaupt - nur mit größten Mühen und Entbehrungen machbar (aber schau nicht, wie die Haut dann aussieht). Die Unbeschwertheit der Jugend- und Kindertage (wohl dem, der sie hatte) ist einem Reifeprozeß aus mehr oder minder erfreulichen Erfahrungen gewichen. Und die Persönlichkeit? Die ist irgendwie einfach so geblieben. Bei mir jedenfalls.

Wenn ich in alten Aufzeichnungen oder Tagebüchern blättere, kann ich nur den Kopf über mich selber schütteln, dass ich teilweise noch nach so vielen Jahren an den selben Fronten kämpfe, in den selben Baugruben wühle. Die totale Energieverschwendung. Du kämpfst - und verlierst. Du gräbst - und findest nix oder nur den üblichen alten Schmodder. Warum also keinen Liegestuhl aufstellen, die Haare im Wind fliegen lassen, die dicken Beinchen übereinander schlagen und laut und vernehmlich: "Ach, Scheiß drauf!" verkünden. Mit der Depression und der Obsession eine kleine private Party feiern, während die Angst ekstatisch zu "I will survive" tanzt.

Dann gibt es da noch diese Sachen, die sich irgendwann einfach von selbst erledigen. Womöglich gerade dadurch, weil ich einfach resigniert und es als gegeben hingenommen habe. Dann habe ich der Sache keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt, sie einfach sein lassen - und eines Tages gemerkt, dass sie weg ist. Was der Liegestuhlvariante sehr nahe kommt.

Oder Du packst das Bündel mit all dem Mist zusammen, verschnürst es, und übergibst es der höheren Macht (woran auch immer Du glaubst: Buddha, das Universum, die große Wutz) und sagst: "Hier nimm. Ich komme damit einfach nicht klar. Ich laboriere schon gefühlte tausend Jahre damit rum. Kümmer Du Dich doch bitte - ich Idiot krieg das nämlich nicht hin. Du hast da sicher die besseren Kompetenzen." Dann gibst Du es weg und schaust, was das Leben oder die große Wutz damit machen. Streckst Dich auf dem Liegestuhl aus und läßt das Leben geschehen. Einen Versuch wär's ja wert.

(Die große Wutz wird allerdings nicht Deine Schränke aufräumen oder Deine Schulden bezahlen. Sie ist ja nicht Marie Kondo oder Peter Zwegat. Aber sie wird Dir durch Dein Loslassen die Scheuklappen nehmen und den Blick für mögliche Lösungen und Impulse frei machen. Oder vielleicht "brauchst" Du das Problem auch einfach gar nicht mehr...)

22. März 2017

Berufswunsch: Guru.


Also ich könnte eigentlich auch einfach Guru werden. Ich erzähle allen, dass ich auf dem Sofa in einem stillen Moment (nämlich der Werbepause bei Shopping Queen) die Erleuchtung gefunden habe. Und dann halte ich Sofa-Satsangs ab. Ich hülle mich in bunte Gewänder (die ich einfach wahllos aus meinen 100 Schals zusammen nähe), male mir mit meiner zahlreich vorhandenen Kosmetik ein paar mysteriöse Symbole aufs Gesicht, lese ein paar Sprüche aus dem Küchenkalender vor, falle zwischendurch ins erleuchtete Koma (was ich früher "Nickerchen" genannt hätte) und sage allen, dass es NICHTS zu tun gäbe. Alles ist gut, wie es ist - und dass ihr einfach mit dem Denken aufhören sollt. Und als Bonus - irgendwie muß ich mich ja von den anderen Gurus unterscheiden - gibt es Schokolade für ALLE.

Meine Jünger (vorzugsweise attraktiv und männlich) schauen mich bewundernd mit glänzenden Augen an, massieren mir die Füße und hauchen mir *ich-liebe-dich* entgegen.

DAS nenne ich doch mal eine Aufgabe! Könnte ich mich dran gewöhnen.

Naja, ich hab ja neulich das Buch von Samarpan so angepriesen. Und zum Buch stehe ich auch immer noch, da sind spannende und interessante Ansätze drinne. Aber nachdem ich mir so ein paar seiner Satsangs angeschaut habe, stelle ich diesen sektengleichen Hokuspokus doch sehr in Frage.

Die Lehren an sich sind ja gar nicht mal so übel. Und letztlich meinen diese spirituellen Gestalten alle ja das gleiche: Vergiß Dein Ego, hör auf Dich vom Verstand tyrannisieren zu lassen und bleibe im JETZT. So weit, so gut. Aber dieses Anbetungsgedöns finde ich dann doch abstoßend. Es kommt mir stark so vor, als ob die Teilnehmer emotional ziemlich labil wären und vom großen Meister die Erlösung oder Absolution erhoffen. Wer traurig, verwirrt oder hoffnungslos ist, ist natürlich besonders empfänglich für solche Botschaften. Also: trau-schau-wem!

Wer mag trotzdem zu meinem ersten Sofa-Satsang kommen?
*mit-der-Schoki-wink* *voll-der-liebe-Guru-bin*

21. März 2017

Oma hüpft wie ein Känguru.


Momentan schaue ich gerne im Vorabendprogramm der öffentlich-rechtlichen eine Quizshow. Interessant ist dabei der Werbeblock, der offenbar auf ein älteres, berentetes Publikum zugeschnitten ist: Dreimal was zur Beruhigung, zwei Gelenksalben, zwei Hörgeräteanbieter. Die Werbefiguren trotz ihres vermeintlichen Alters wirken fröhlich, agil und jung geblieben.

Der Enkel findet seine "neue Oma" ganz toll, weil sie dank der chemischen Gelenkschmiere hüpfen kann wie ein Känguru. Ist ja auch super, so eine doll funktionierende Omi.

Früher trugen die Omas Kittelschürzen und backten den weltbesten Streuselkuchen. Oder sie saßen in ihrem Lieblingssessel mit einer Handarbeit und erzählten Geschichten. Diese Omas sind ausgestorben.

Ich will nicht die Vergangenheit verklären. Der medizinische Fortschritt ist großartig. Und es ist toll, wenn sich keiner mit Gelenkschmerzen rumplagen muß.

Was mich nur stört, ist dieses Bild, das vermittelt wird. Jetzt mußte auch im Alter noch funktionieren, hüpfen wie ein Känguru, gut schlafen und noch besser hören. Was ist mit einem schönen Mittagsschläfchen? Die Klatschzeitung im Ohrensessel bei einer Tasse Kaffee lesen? Am Fenster sitzen und dem Treiben auf der Straße zusehen? Oder auf einer Bank vorm Haus hocken und Löcher in die Luft starren oder Topflappen häkeln?

Vorher werden auch noch die Wechseljahre totgeschwiegen oder mit Hormongaben unterdrückt. Das paßt ja nicht ins funktionale Bild. Älter werden ist nix für uns.

Ich mache übrigens mein Bett morgens nicht mehr - damit ich jederzeit für eine kleine Leserunde oder ein Nickerchen wieder reinschlüpfen kann... bin ja kein Känguru, sondern ein Koala.

Übrigens bewundere ich insgeheim durchaus die Sorte alter Menschen, die mit 90 noch gelenkig wie ein junger Hüpfer Yoga praktizieren, Marathons laufen oder mit einem Oldtimer die Welt bereisen. Aber ich glaube, da steckt eine andere Motivation dahinter. Da geht es nicht ums Funktionieren (und zwanghaft jung bleiben), sondern um echte Leidenschaft. Und davor ziehe ich den (Koala-Plüsch-) Hut.

17. März 2017

Alles im Leben kommt und geht.


"Etwas zu begehren oder zu wünschen, was nicht hier ist, bedeutet Leiden.
Unser ganzes Leben jagen wir Träumen hinterher
und erreichen nur dann ein Ende unseres Suchens,
wenn wir zum Frieden und zur Stille kommen."
-Samarpan

Auf meinem Blog hatte ich irgendwann mal erwähnt, dass ich das Buch von Samarpan "Glücklich sein in jedem Moment" gelesen habe. Momentan stöbere ich wieder darin, denn seine Haltung ist seeehr entspannt, und das gefällt mir. Es geht um das "Geschehen lassen". Dass alles genau so in Ordnung ist, wie es gerade ist. Ein Beispiel aus einem seiner Videos, als eine junge Frau, die sich fragt, ob es okay ist, dass sie so gerne alleine ist und ihn fragt, ob sie denn nicht eine Beziehung brauche. Da meint er nur ganz trocken: Nein. Du brauchst keine Beziehung. Wenn Du sie wirklich BRAUCHEN würdest und keine hättest, dann würdest Du sterben. Das passiert bei Säuglingen, aber nicht bei Erwachsenen (Anmerkung der Bloggerin: Es sei denn, man ist im Kleinkind-Stadium hängen geblieben). Yay, das ist doch genau der Ansatzpunkt für ein entspannteres Leben! (Und Du meine Güte, wovon denken wir nicht alles, dass wir es bräuchten...)

Solche Aussagen stellen doch ganz schön unser übliches Denken auf den Kopf (I like!!!).

Samarpan ist - soweit ich das mitgekriegt habe - wohl ein Schüler von Osho und hält immer mal wieder diese "Satsangs" ab (was wohl so viel heißt wie eine Zusammenkunft von Menschen, bei denen er seine Lehren vermittelt bzw. Fragen beantwortet). *flüster* Auf mich wirkt er ein wenig wie ein durchgeknallter Englischlehrer *flüster*.

Die zwei Teile über das Thema Beziehung fand ich grandios. Ich mag auch diese Art von Humor. Und für mich klingt das alles gar nicht mal so wahnsinnig spirituell oder gar abgehoben, nein, eher pragmatisch und auf den Punkt gebracht. Die Vergänglichkeit.... das Hängen an alten Geschichten (es sind nur GESCHICHTEN) ... und nicht jeder Partner ist gekommen um zu bleiben... ;-).

Wenn euch das Thema interessiert (oder auch allein das Thema "Leben im Jetzt" oder "Alle Gefühle annehmen"), schaut unbedingt mal rein:



"Dein Partner kann dir das was du willst nicht geben. Kein Partner kann einem das geben, was man sich wünscht. Es geht also nicht darum, den richtigen Partner zu finden - denn jeder Partner wird dir das zeigen. Dass es nie genug ist. Oder dass es zu viel ist, oder irgend etwas ... Vielleicht ist das die Hauptsache dabei, dass uns diese Illusion genommen wird, dass jemand uns irgend etwas geben kann." -Samarpan


Love yourself!
💓

16. März 2017

Hauptsache See!


Mann, bin ich mitteilungsbedürftig heute. Komme gerade zurück von meinem kleinen Ausflug an den See (und hab euch ein Foto mitgebracht). Ein Heimspiel - wer braucht da schon den Chiemsee? Die ersten Unerschrockenen lagen schon am Strand!

Herrliches Wetter, die Bäume könnten gerne noch etwas grüner sein. Schnatternde Gänse und verliebte Störche gesehen. Mit Einheimischen geplaudert und für eine junge Flüchtlingsfamilie ein Foto gemacht. Und ganz viel Natur und noch mehr Stille genossen.

Ich glaube, da gehe ich wieder öfter hin. Tut gut.